5 Menschen, die auch keinen Bock mehr auf ihre Schwangerschaft haben

Nachdem ich mich vor ein paar Stunden ausgeheult habe, dass mich meine Schwangerschaft gerade mächtigst annervt, habe ich getan, was jede gute Webbewohnerin tut: Ich habe gegoogelt.

Dabei habe ich viele Menschen gefunden, die ebenfalls von ihrer Schwangerschaft die Schnauze voll haben. Irgendwie fand ich das so schön und aufbauend, dass ich die schönsten Frustbekenntnisse gesammelt habe.

1. „Es passiert garnix!“

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2. „Dann bekommt er halt die Zwangsräumung!“

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3. „Er benutzt meine GEdärme als Rutschbahn!“

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4. „Das ist ja furchtbar!“

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5. „Ich bin eine 0,5-Liter-Flasche, die eine 0,75-Liter-Flasche verschluckt hat“

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Weg-Wehen

Nein, ich mag den Zustand „schwanger sein“ nicht. Ich mochte ihn von Anfang an nicht, kam aber trotzdem so einigermaßen damit klar, die meiste Zeit. Aber jetzt, nach fast 39 Wochen, bin ich dieses Schwangersein so richtig, wirklich über. Nicht nur, dass ich mit meinem Walfischbauch ständig an Türklinken, Arbeitsflächen oder Waschbecken hängen bleibe, ich bin so langsam auch die Ernährungsvorschriften wirklich über, die Einschränkungen beim Sport, die Kurzatmigkeit und das ständige Klogerenne.

Seit mehr als fünf Wochen habe ich auch schon mehr oder weniger starke, unregelmäßige Wehen. Vor vier Wochen hatte ich eine erste Phase mit halbwegs regelmäßigen Wehen. Senkwehen, meinte meine Frauenärztin. Und nach einem Tag waren sie weg. Seitdem hatte ich on-off immer mal wieder kürzere und längere Phasen mit vergleichsweise schmerzarmen Vorwehen oder Übungswehen oder weiß der Geier was, aber keine „richtigen“ Wehen. Das ging mir so sehr auf die Nerven, dass ich verschiedene Methoden recherchiert habe, die Wehentätigkeit zu stimulieren.  Ich trinke seit ein paar Tagen einen recht leckeren wehenfördernden Tee aus Eisenkraut, Ingwer, Zimt und Nelke. Ich versuche, mich regelmäßig zu bewegen, und hin und wieder habe ich auch probiert, die Oxytocin-Ausschüttung per Nippelstimulation anzukurbeln. Was deutlich weniger Spaß macht, als es zuerst vielleicht klingt.

Der Effekt bisher: Null. Gestern Abend aber ging es rund. Ich hatte im Schnitt alle 5 Minuten Kontraktionen, die rund 45-60 Sekunden anhielten. Sie taten nicht sehr weh, zogen mehr und pieksten, fühlten sich aber deutlich anders an als alle Wehen, die ich bis dahin gehabt hatte. Also probierte ich verschiedenes aus: Ich war aktiv, war spazieren und kreiste das Becken, die Wehen blieben. Ich ging ins Bett, die Wehen blieben. Ich duschte heiß, die Wehen blieben. Also fuhr ich nach 8 Stunden Wehentätigkeit ins Krankenhaus. Das CTG zeigte brav meine Wehentätigkeit an: Alle 4 Minuten hatte ich Kontraktionen. Dann kam die Minute der Wahrheit: Die Hebamme tastete die Öffnung des Muttermundes. Da ich am Tag davor gerade erst einen Termin zur Kontrolle bei meiner Frauenärztin gehabt hatte, wusste ich: Am Morgen war der noch zu und wulstig. Die Hebamme meinte: „Der ist fingerdurchlässig, aber da tut sich noch nicht viel, meine Liebe.“

Ich fuhr wieder nach Hause. Und da bin ich jetzt. Über Nacht haben die Wehen fast komplett aufgehört, und ich warte wieder.

Warte… Und warte. Weil ich das so gut kann.

Drückt ihr mir die Daumen, dass es bald losgeht?

Die Seltsamkeiten einer Schwangerschaft

Schwangerschaftssymptome. Wer liebt sie nicht? So vielfältig, so merkwürdig, und so oft unerwartet.

Ich hatte ja mit einigem gerechnet. Mit Stimmungsschwankungen zum Beispiel. Die fielen aber nicht schlimmer aus als meine normalen Launen. Am ehesten merkte man mir die Schwangerschaft vermutlich im ersten Trimester an, als ich zerknirscht war, weil ich ständig krank war und mir vom Geruch eigentlich allen Essens schlecht wurde.  Auch mit diesen Symptomen hatte ich gerechnet. Aber einiges erwischte mich dann doch ziemlich unerwartet, vermutlich, weil über die selteneren Auswirkungen einer Schwangerschaft weniger gesprochen / geschrieben wird.

Daher nun ohne weitere Umschweife:

Meine absurdesten Schwangerschaftsbeschwerden

Trockene Haut, trockene Haare

Angeblich soll die Haut während der Schwangerschaft ja besser durchblutet sein, strahlen und so. Irgendwie sah das bei mir anders aus. Ich hatte trockene Haut, und zwar so richtig.

Dabei war ich vor der Schwangerschaft eine, die sich jeden Morgen die Haare gewaschen hat. Weil es nötig war. Meine Gesichtshaut hatte ohne Make-Up einen dauerhaften, gesunden Speckschwartenglanz und ab und zu die üblichen Pickelchen, die mit zu fettiger Haut eben einhergehen. Denn seit meiner Pubertät war mein Körper unverrückbar der Ansicht, dass viel Hautfett schöne Haut und Haare macht, und trotz vieler Überredungsversuche konnte ich ihn nicht vom Gegenteil überzeugen.

Bis ich schwanger wurde. Ich erinnere mich, verzweifelt fast täglich meine vermeintlich fettige Haut zu peelen, weil sie immer röter wurde und sich entzündete. Ich doch gelernt hatte: Wenn das passiert, ist die Haut viel zu fettig und muss mit sanfter Gewalt ins Gleichgewicht gebracht werden! Das war so kurz vor der Halbzeit. Irgendwann, nachdem ich bereits einige Wochen lang den Kampf gegen meine scheinbar fettige Haut geführt hatte, dämmerte es mir. Die Stellen, die rot waren und sogar begannen, sich zu schälen, lagen in den üblicherweise trockenen Hautbereichen, den Wangen. Ich begann also mit dem Gegenprogramm und behandelte mit Feuchtigkeitscremes aus der Drogerie, die schlimmen Stellen auch mit Dexpanthenol. Und was soll ich sagen: Es brachte einen feuchten Pups. Gar nichts. Niente!

Ich ließ mich dann in einer Apotheke beraten und entschied mich für eine Gesichtscreme für sehr sensible, trockene Haut mit Thermalwasser. (Es handelt sich bei der Creme um Avène für überempfindliche Haut.) Kam mir zwar vor wie Hokuspokus, aber da meine Mutter mit ihrer trockenen Haut die gleiche Marke seit Jahren sehr gut verträgt, dachte ich: Na schön, es schadet ja nicht, sie zu testen. Und siehe da: Meine Haut erholte sich innerhalb einer Woche.

Meine Haare wasche ich inzwischen jeden dritten Tag, was vollkommen ausreicht. Immerhin kann ich von dem beim Shampoo gesparten Geld die teure Creme ein wenig gegenfinanzieren…

Seltsamer Schlafrhythmus, oder: Wach? Wer ist hier … *chchch*

Ich hatte davon gelesen, dass im ersten Trimester viele Schwangere tagsüber sehr müde sind. Und gleichzeitig nachts nicht gut schlafen können. Ich hatte nur nicht gedacht, dass mich das betreffen würde, immerhin bin ich die, die immer, überall, in jeder Situation und bei jeder Lautstärke innerhalb weniger Minuten tief und fest schlafen kann.

Am Ende des ersten Trimesters hatten mich meine Hormone allerdings auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht. Ich war nur mit Mühe in der Lage, einen vollen Arbeitstag durchzuhalten, fiel zuhause direkt aufs Sofa, aß eine Kleinigkeit – und schlief ein. An den schlimmsten Tagen war es knapp 19 Uhr.

Entschädigt wurde ich dadurch, dass ich nachts häufiger aufwachte. Und auch wach blieb. Wer 2 Uhr für eine ungeeignete Aufwachzeit hält, der*m kann ich durchaus zustimmen. 4 Uhr ist auch kaum besser, besonders dann nicht, wenn der Schlaf gar nicht mehr kommen möchte.

Ich bin zwar inzwischen tagsüber nicht mehr so erschöpft, aber ich finde es doch unangenehm, dass ich bis heute immer noch um 4 Uhr nachts aufwache.

Eisenmangel und Sodbrennen

Genau genommen ist Eisenmangel kein seltenes Symptom von Schwangerschaften. Schwangerschaft gilt durch den erhöhten Eisenbedarf grundsätzlich als Risikofaktor, einen Eisenmangel zu entwickeln. Ich durfte allerdings die Erfahrung machen, dass Eisenmangel auch zu Sodbrennen führen kann, neben Abgeschlagenheit, Kreislaufproblemen, eingerissenen Lippen, Kurzatmigkeit, Hauttrockenheit und anderem.

Leider dauerte es ein wenig, meine Frauenärztin davon zu überzeugen, dass ein Ferritinwert von nicht einmal 10 nicht mehr mit irgendwelchen Säften behandelt werden sollte. Been there, done that, brachte nichts. Im Gegenteil, von den Säften wurde mir auch noch schlecht. Kaum war ich auf hochdosierte Eisentabletten umgestiegen, ging es mir besser: Ich war wieder wacher, fitter, und mein Sodbrennen war auch innerhalb weniger Tage vollständig verschwunden.

Die Taube linke Hüfte

Meine linke Hüfte wird taub, wenn ich länger gehe oder stehe. Das ist seltsam. Davon hatte ich bisher noch nie gehört. Und, als Bonus: Das ist schlecht zu therapieren, sagt zumindest meine Physiotherapeutin. Sie vermutet, dass „irgendwas am Iliosakralgelenk“ ist oder der Kind auf etwas drückt – aber viel tun kann sie nicht, solange das Kind noch im Uterus wohnt. Sie hat mir ein paar Übungen gezeigt, die ich machen kann, die die Gelenke und Muskeln im unteren Rückenbereich etwas entspannen sollen. Sie helfen mäßig.

Wann immer meine linke Hüfte „einschläft“, mache ich eine meiner Übungen, die einzige, die wenigstens kurzfristig hilft: Ich lasse den Oberkörper mit geradem Rücken und entspannten Knien möglichst tief nach unten hängen. Sieht nicht sehr talentiert aus, hilft aber zumindest für kurze Zeit.

Welche angeblich typischen Beschwerden ich nicht hatte

Auf der Haben-Seite fehlen mir eine ganze Reihe von Symptomen, die angeblich fast alle Schwangeren haben. Ich habe keine Dehnungsstreifen. Ich hatte eigentlich keine Gelüste, es sei denn, Gelüste sind definiert als „Dinge, die man noch essen kann, wenn 98% der Nahrungsmittel Würgereiz auslösen“. Ich habe supere Zähne und sehr gesundes Zahnfleisch. Mein Körper hat meines Wissens nicht übermäßig Wasser eingelagert. Und ich habe weder Verdauungsprobleme noch Hömorrhoiden. Zum Glück.

tl;dr

Schwangerschaftsbeschwerden sind sehr individuell und überraschend. Wie eine Schachtel Pralinen. Meist nicht sehr leckeren.

Nur ein Walfisch unter vielen

Ich gebe zu, dass ich mir große Sorgen gemacht habe, was den Geburtsvorbereitungskurs anging. Ich hatte befürchtet, die einzige irgendwie feministische Person im Raum zu sein. Ich hatte gefürchtet, dass sich in dem gemischten Kurs die Männer unbotmäßig viele Redeanteile herausnehmen würden. Ich hatte mir Sorgen gemacht, dass ich zu Dingen gedrängt würde, die ich nicht will.

Was ich nicht erwartet habe, war, wie sehr ich mich inzwischen, nach zwei Wochen, auf den Kurs freue. Ich gebe zu, er ist mein aktuelles Wochenhighlight. Zwar haben sich einige meiner Befürchtungen erfüllt (an den Tagen, an denen mehr Männer dabei sind, produzieren sich einige tatsächlich traurigerweise recht ausdauernd und raumgreifend, statt sich entspannt zurückzulehnen und zuzuhören), aber längst nicht alle. Klar gibt es genügend Menschen im Kurs, die sich sehr auf stereotypen Rollen ausruhen, weil das für’s Hirn weniger anstrengend ist. Aber es ist nicht so schrecklich, wie ich befürchtet hatte. Der Altersschnitt ist relativ hoch, ich schätze, er liegt bei etwa 32-34 Jahren, und viele der Teilnehmenden sind zum ersten Mal schwanger. Und bisher hat die kursleitende Hebamme immer sehr darauf geachtet, Grenzen zu achten, sowohl körperlich als auch im Bereich von Einstellungen und Entscheidungen.

Was mir aber wirklich viel Halt und Kraft gibt gerade: Ich bin in diesem Kurs in meinem Zustand vor allem eins, und zwar ganz normal. Ich werde nicht mit Fragen bombardiert, wie es mir geht, wie das so ist, schwanger zu sein, wie weit ich bin, ob das normal ist, dass der Bauch manchmal wackelt. Ich werde nicht schief angeschaut, wenn ich komische Bewegungen mache, um meinen Rücken zu entlasten, und ich kann einfach nur rumsitzen mit einer Menge anderer Schwangerer, die gerade sehr ähnliche Erfahrungen machen, wie ich. (Versteht mich nicht falsch, ich erzähle ja gern davon, wie das so ist, dieses Schwangersein. Aber es bleibt ein Gefühl des Andersseins.)

Wirklich: Ich hätte nie gedacht, dass mir das so gut tut.

(Halbwegs) fit ins 3. Trimester

[CN: Body Talk und Erwähnung von Gewichtsveränderungen]

Angeblich bin ich jetzt also drin, im 3. Trimester. Ich habe darüber schlimme Dinge gelesen: Man soll ganz unbeweglich und behäbig werden, weil der Körper Wasser einlagert und natürlich auch der Bauchumfang zunimmt. Man soll Rückenschmerzen bekommen. Und ständig soll man aufs Klo rennen müssen. Bisher merke ich von alledem nichts. Aber insbesondere vor der Bewegungseinschränkung fürchte ich mich etwas. Darum habe ich angefangen, wieder etwas mehr Sport zu treiben. Naja, was ich so Sport nenne: Übungen, die sich halbwegs einfach in den Alltag integrieren lassen.

Dazu gehören Kniebeugen. Ich habe nämlich festgestellt, dass meine Beine mein gestiegenes Körpergewicht (aktuell sind es etwa 8-9 kg) nicht mehr so schnell Treppen hoch bekommen. Die Kniebeugen helfen dabei, und glücklicherweise auch bei meinen abends oft unruhigen Beinen.

Eine weitere Übung, die ich regelmäßig mache, habe ich aus dem Wikipedia-Artikel zur Rektusdiastase. So wird es genannt, wenn die geraden Bauchmuskeln auseinander stehen. In gewissem Umfang ist das ein normaler Effekt einer Schwangerschaft und bildet sich danach meist von alleine zurück. Ich habe aber sehr starke gerade Bauchmuskeln und eher weniger gut ausgeprägte quere Bauchmuskeln, wie ich feststellen musste, und der Spalt zwischen den Bauchmuskelsträngen ist jetzt schon deutlich spürbar. Im deutschsprachigen Internet habe ich leider keine Hinweise auf Übungen gefunden, die ich auch jetzt schon machen kann, um die queren Bauchmuskeln zu stärken. Aber glücklicherweise hört das Internet nicht an der Sprachgrenze auf, und so habe ich auf der englischsprachigen Wikipediaseite zur Rektusdiastase doch einige Übungen für die queren Bauchmuskeln entdeckt, die ich jetzt schon machen kann. Mindestens die Übungen „Core contraction“ und „Quadruped“ habe ich in anderen Kontexten bereits als Empfehlungen für Übungen gesehen, die man auch während der Schwangerschaft sicher durchführen kann.

Und natürlich dürfen auch die beliebten Beckenbodenübungen nicht fehlen. Ich bin nicht so konsequent, wie ich es gern wäre, aber immerhin denke ich mindestens täglich daran.

Mit diesen Übungen und ein paar Malen Yoga in der Woche fühle ich mich ganz gut für das 3. Trimester gewappnet. Und dann soll Sport während der Schwangerschaft auch noch die Wehen erleichtern – wer könnte dagegen etwas haben!

Nicht so allgemein, bitte!

Gestern ist es wieder passiert. Eine Bekannte schaute auf meinen Bauch und meinte: „Da sieht man schon ein wenig was!“ Woraufhin ich mit einem schiefen Grinsen die Schultern zuckte. Ja, so richtig angefreundet habe ich mich immer noch nicht mit dem Kontrollverlust, den ich bei der Schwangerschaft empfinde. Was anderen leicht fällt, fällt mir schwer. Das ist meine persönliche Baustelle und für mich so ganz in Ordnung. „Aber das ist doch schön!“, rief die Bekannte auf meine eher mäßige Reaktion. Nicht „das finde ich schön“ oder „findest du das nicht schön?“, nein, „das ist doch schön!“

Und so etwas passiert leider häufiger. Als ich einer anderen Bekannten davon erzählte, dass ich mir Sorgen mache und auch vor einigen Dingen Angst habe, erntete ich ein: „Das geht schon noch weg!“ Eine andere Person reagierte in einer ähnlichen Situation mit der Aussage: „Ach, da wächst man rein!“

Na dann. Herzlichen Dank für diese Meinungen, die so schön generalisiert und verallgemeinert daherkommen. Und meine Ängste, Sorgen und grundsätzlich mein Empfinden entwerten. Natürlich habe ich nichts gegen aufmunternde Worte oder positive persönliche Erfahrungen. Ich habe aber ein Problem damit, wenn solche subjektiven Aussagen entpersonalisiert („man“) und generalisiert werden („das ist doch / wird noch“). Solche Aussagen helfen gar nicht. Genau das Gegenteil passiert, und ich fühle mich in meinem subjektiven Erleben nicht ernst genommen. Es ist, als würden meine subjektiven Gefühle außerhalb einer nicht näher definierten „ishaltso“-Norm liegen, und müssten damit nicht anerkannt werden.

Das lässt sich übrigens auch auf andere Lebensbereiche übertragen als auf Schwangerschaft. Ganz allgemein auf alle persönlichen Erlebnisse, Ängste, Sorgen, Beichten, …

Wie das besser ginge? Das ist gar nicht so schwierig. „Ich finde das schön!“, „Ich hoffe, dass das bald weggeht“ oder „Ich bin da reingewachsen, das wünsche ich dir auch.“

Bitte. War doch gar nicht so schwer.

Warum ich so gut wie keine Umstandskleidung habe

[Content Note: Body Talk]

Inzwischen bin ich im 5. Monat angekommen, oder in der 18. Woche. Und mein Bauch ist inzwischen … vorhanden. Er will sich nicht mehr so recht in meine engen Jeans drücken lassen.

Trotzdem trage ich im Alltag keine Umstandskleidung. Das hat einerseits mit meinem Verhältnis zu meiner Schwangerschaft und zu meinem Körper zu tun: Ich mochte meinen Körper in seinem unschwangeren Zustand gerne, und ich wusste eigentlich recht genau, wie ich mit ihm umgehen musste, was ich von ihm erwarten kann, und wie viel Power er so hatte. Das alles geht jetzt nicht mehr so ohne weiteres, denn inzwischen macht er alle möglichen Sachen, mit denen ich nicht rechne, die ich nicht so toll finde oder gegen die ich nichts tun kann.

Ich freue mich für jeden Menschen, di*er mit dem Zustand Schwangerschaft besser klar kommt als ich. Wirklich. Ich möchte auch gar nicht groß weiter rumheulen, also belasse ich es dabei: Ich habe mich in meinem Körper schon bedeutend wohler gefühlt! Und das ist ein wichtiger Grund für mich, warum ich keine Umstandskleidung trage. Umstandskleidung, das heißt heutzutage: Eng anliegende, stretchige Materialien, die in Schnitt und Farbe den Bauch betonen. Bei formellen Kleidern gibt es dann auch gerne mal ein Schleifchen auf den Bauch. Das war nicht immer so. Historisch gesehen wurde der Bauch eher versteckt. Erst vor wenigen Jahren begann sich das zu wandeln, und politische Entscheidungen wie die Stärkung des Mutterschutzes spielten dabei eine entscheidende Rolle.

Trotzdem: Ich finde meinen Bauch nicht niedlich und will kein Schleifchen darauf drapieren. Ich möchte ihn nicht wie eine Monstranz vor mir hertragen und überall auf den ersten Blick als schwanger identifiziert werden. Mir gefällt nicht, dass ich mich damit auseinandersetzen muss, dass fremde Menschen mich aufgrund meines Bauches anders wahrnehmen und bewerten. Zusätzlich kostet Umstandskleidung häufig mehr als normale Kleidung.

Toll finde ich da das Projekt Butchbaby & Co., eines aktuell entstehenden Modelabels, das betont „maskuline“ Kleidung für Schwangere entwirft, und die Tipps von offbeatfamilies für Umstandsmode für Butches. Denn auch, wenn ich keine Butch bin, empfinde ich ist eine einseitige Darstellung von „Femininität“ in Umstandskleidung als problematisch und einengend.

Also kaufe ich keine Umstandskleidung, wenn es sich vermeiden lässt. Statt dessen kaufe ich normale Kleidung, nur ein wenig größer. Ich meide dehnbare Materialien und weiche auf locker fallende Hemden oder Blusen aus, die sich ohne Probleme über meine Bauchbeule drapieren. Und ich freue mich auf den Sommer, zu dem ich meine weiten Hosen, Kleider und Röcke wieder aus dem Schrank kramen kann!

Manchmal, zu hohen Anlässen wie Hochzeiten, lässt sich Umstandsmode natürlich nicht wirklich vermeiden – ich möchte ja immer noch schick aussehen. Also wähle ich den Weg des geringsten Übels und suche nach Kleidung, die nicht ganz so sehr „seht alle her! Ich bin SCHWANGER!“ schreit wie die übrigen. Chiffon-Lagen oder feste Spitze helfen sehr!

Der lange Weg ins 2. Trimester

Irgendwie dachte ich, dass der Unterschied zwischen 1. und 2. Trimester drastischer ausfallen würde. Deutlicher. Immerhin berichten alle möglichen Ratgeber davon, dass in Trimester 1 alles so und so ist, und im 2. Trimester dann plötzlich alles ganz anders. Aber natürlich – Pustekuchen. Ich weiß gar nicht, wieso ich immer wieder auf diese von Menschen gemachten Einteilungen hereinfalle. Halt, doch – ich weiß es doch. Alles sieht so schön einfach und ordentlich aus, so glatt und leicht zu verstehen. So, wie es eben gerade nicht ist.

Ich schlittere jetzt seit ein paar Wochen laaaangsam ins 2. Trimester hinein. Inzwischen ist mir seltener übel, ich schlafe weniger spät ein und häufiger durch. Inzwischen sieht, wer mich kennt, einen kleinen Bauch, und wenn ich entspannt daliege, kann ich den Uterus deutlich durch die Bauchdecke tasten. Ich schwanke zwischen „Ach, wie abgefahren, dass mein Körper sowas kann!“ und „Urgh, stahp! Ich hab dich nicht gebeten, dich so zu verhalten, y u do so, body?!“

Geduld, Geduld

Überhaupt ist dieses Schwangersein eine ziemliche Geduldsprobe für mich. Ich weiß ja nicht, wie andere Menschen das aushalten, aber ich habe diese 16 Wochen als ziemlich lang empfunden, in denen ich keinen Weichkäse essen durfte, keinen Rohmilchkäse, keine kalt geräucherte tierische Produkte, kein Sushi. Wer mich kennt, weiß, welches Ausbund an Geduld ich bin (und lacht an dieser Stelle laut wegen des offensichtlichen Sarkasmus‘). Ich habe aus lauter „Hier geht gar nichts voran, dammit!“ sogar schon an meiner Diss weitergeschrieben!

Aber es hilft ja alles nichts. Ich hab’s mir so ausgesucht, und jetzt muss ich da auch durch. Tschakkaaa!

„Isst du auch genug?“ Body Policing in der Schwangerschaft

[Content Note: Erwähnung von Essstörungen, Thematisierung von Körpergewicht.]

Selten wurden mir so viele ungefragte Ratschläge aufs Auge gedrückt wie seit Beginn meiner Schwangerschaft. Das beginnt im privaten Umfeld, setzt sich an meinem Arbeitsplatz fort und reicht – wie wäre es anders zu erwarten – bis in die Medien hinein.

Dazu gehört auch dieser unglückliche Artikel der Emma, die sich in den letzten Jahren ohnehin nicht eben mit Ruhm bekleckert hat und für viele Feministinnen inzwischen ein rotes Tuch ist.

In diesem Artikel, der gleich in der Einleitung einen ableistische Vergleich zieht, der alleine schon ausreicht, awaren Menschen die Galle hochsteigen zu lassen, versucht die Autorin krampfhaft, sich als Kämpferin gegen Fatshaming zu positionieren. Das ist sicher ein hehres Ziel, und gegen Fatshaming sollte ohnehin mehr getan werden. Leider fällt aber in der Darstellung der Emma einiges unter den Tisch: Zum Beispiel die Schwangeren, die es sich nicht ausgesucht haben, in der Schwangerschaft abzunehmen, etwa, weil sie unter Hyperemesis Gravidarum leiden oder plötzlich eine Vielzahl von Nahrungsmittelaversionen haben. Dazu zählen Schwangere, die von Essstörungen betroffen sind und für die jedes Kilo, das sie zunehmen, härter erkämpft ist, als man sich das gemeinhin vorstellen kann. Und das sind nur die häufigsten Ursachen, warum eine Person in der Schwangerschaft nicht ganz so viel zunimmt, wie sie es vielleicht auf dem Papier sollte.

Schwangere unter Generalverdacht

Dass die überwältigende Mehrheit der Schwangeren ihrem Kind Gutes will, sollte klar sein. Dass das für jede Person anders aussieht und dass es nicht für alle bedeuten kann, sich ganz entspannt in die Rolle der „glücklichen Schwangeren“ hineinzulegen (vielleicht auch, weil diese Rolle nicht so recht für sie gemacht ist), sollte verständlich sein. Es gibt Menschen, die hadern mit ihrer Schwangerschaft, und das, obwohl sie sie herbeigesehnt haben. Schwangerschaft bedeutet auch immer ein gewisses Maß an Risiko, an Kontrollverlust. Und wenn jemand für sich entscheidet, statt 16 nur 12 Kilo zuzunehmen – ist das dann fahrlässig? Oder freie Entscheidung? Die Entscheidungen prominenter Frauen werden in dem Artikel harsch kritisiert, und das, obgleich sie sicher nicht im luftleeren Raum oder allein aus Eitelkeit getroffen werden. Die Geflechte sind komplexer, als sie dargestellt werden, und jede Vereinfachung schadet.

Der Artikel ist in seinem Tenor klar: Wer nicht dazu in der Lage ist, sich dem Kontrollverlust hinzugeben, gefährdet potenziell sein Kind.

Deutlich weniger hetzend und zudem noch fundierter ist hier der Artikel von Lara Fritzsche (aus dem auch noch einige, sagen wir mal, nicht markierte Zitate entnommen sind). Lara Fritzsche thematisiert den gesellschaftlichen Druck klarer, unter dem einige Schwangere stehen, und der krankheitsauslösend für Pregorexie sein kann. Und obwohl auch ihr Artikel nicht frei von polemischen Überspitzungen ist, schafft sie es doch, den Bogen nicht zu überspannen und der Sachlichkeit genügend Raum zu geben.

Die Emma tut mir ihrem Artikel schwangeren Menschen keinen Gefallen. Als würde einer*einem in die eigene Schwangerschaft nicht schon genug hereingeredet, fügt sie dem Body Policing eine weitere Dimension hinzu, die es meiner Meinung nach nicht gebraucht hätte. Anstatt sachlich auf die Problematik, die gesellschaftlichen Umstände, die Sorgen und Ängste Betroffener aufmerksam zu machen, die Ursache von Essstörungen sind, verliert sie sich darin, diejenigen Menschen zu beschämen, die wahrscheinlich nicht einmal etwas dafür können, dass sie in der Schwangerschaft nicht „schnell genug“ zunehmen.

Schwangerschaftsängste und Statistik

Mein 1. Trimester geht langsam zu Ende, und langsam mache ich mir weniger Sorgen darüber, ob ich die Schwangerschaft gut zu Ende bringen kann. Die statistische Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt ist erschreckend hoch: Je nach Studie liegt sie zwischen 10% und 25% für eine ärztlich bestätigte Schwangerschaft, rechnet man chemical pregnancies (einer dieser Begriffe, für die es keine deutschen Entsprechungen gibt: Es handelt sich dabei um eine sehr frühe Fehlgeburt nach einem positiven Schwangerschaftstest kurz nach Fälligkeit der Menstruation) noch hinzu, liegt sie bei gruseligen 50% bis 75%.

Ich gebe zu: Das ging nicht spurlos an mir vorbei. Ich hatte zeitweise  große Sorge, dass ich aus irgendwelchen diffusen Gründen doch nicht dazu „gemacht“ sein könnte, ein Kind durch die Schwangerschaft zu bringen. Meine Identität als irgendwo zwischen (stereotyp) feminin und maskulin changierende Cisfrau half da auch nicht besonders.

Gut gemeinte Ratschläge helfen dabei übrigens erstaunlicherweise: nicht. Aussagen wie „Mach dir keine Sorgen, wenn es passieren soll, passiert es, da kannst du nichts machen!“ sind Mist, zumindest für mich. Ich kann Sorgen nicht abstellen, und wer an sich dazu den richtigen Knopf gefunden hat: Glückwunsch – und Klappe zu. Anderen fällt das nicht so leicht, und es steht keinem Menschen zu, das bei anderen Menschen einzufordern oder zu beurteilen.

Meine Strategie war anders:

Daten, Daten und noch mehr Daten

Ich ging mit dem Stress um, wie ich es meistens tue: Indem ich genauere Daten und Statistiken recherchierte. Hilfreich fand ich zum Beispiel die Übersicht auf spacefem.com, die die Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt für jeden Tag ausgibt. Es half mir sehr, der Prozentzahl nach und nach beim Schrumpfen zuzuschauen. Noch ein bisschen genauer ist die Seite easybabylife.com, die für die gesammelten Statistiken noch die veränderten Wahrscheinlichkeiten ausgibt für Schwangerschaften, in denen der Herzschlag des Embryos bereits dokumentiert ist.

Noch ausführlicher und mit vielen interessanten verlinkten Studien unterfüttert ist die Seite Miscarriage Research. Hier habe ich mir zu so ziemlich jedem Risikofaktor, mit dem ich etwas anfangen konnte, mindestens die Zusammenfassungen der Studien durchgelesen. Viele aktuellere Studien berichten über geringere Risiken als die allgemein berichteten 10-25%, was ich sehr angenehm fand. Außerdem toll ist die Zusammenstellung der bisherigen Forschungsergebnissen dazu, was Fehlgeburten verursachen kann – und wie man nach aktuellem Forschungsstand vorbeugen kann. Allerdings muten einige Empfehlungen eher seltsam an („versuche, Morgenübelkeit zu haben“ oder „feel happy“).

Mir haben die vielen Daten und nicht zuletzt die kleinen Tweaks wirklich sehr geholfen. Ich hatte das Gefühl, nicht so sehr wartend der Situation ausgeliefert zu sein, sondern selbst aktiv etwas tun zu können. Und selbst, wenn ich damit die Wahrscheinlichkeiten nur minimal beeinflusst haben sollte, gibt mir das ein besseres Gefühl, als ahnungslos herumzusitzen – und zu warten.