5 Menschen, die auch keinen Bock mehr auf ihre Schwangerschaft haben

Nachdem ich mich vor ein paar Stunden ausgeheult habe, dass mich meine Schwangerschaft gerade mächtigst annervt, habe ich getan, was jede gute Webbewohnerin tut: Ich habe gegoogelt.

Dabei habe ich viele Menschen gefunden, die ebenfalls von ihrer Schwangerschaft die Schnauze voll haben. Irgendwie fand ich das so schön und aufbauend, dass ich die schönsten Frustbekenntnisse gesammelt habe.

1. „Es passiert garnix!“

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2. „Dann bekommt er halt die Zwangsräumung!“

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3. „Er benutzt meine GEdärme als Rutschbahn!“

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4. „Das ist ja furchtbar!“

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5. „Ich bin eine 0,5-Liter-Flasche, die eine 0,75-Liter-Flasche verschluckt hat“

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Weg-Wehen

Nein, ich mag den Zustand „schwanger sein“ nicht. Ich mochte ihn von Anfang an nicht, kam aber trotzdem so einigermaßen damit klar, die meiste Zeit. Aber jetzt, nach fast 39 Wochen, bin ich dieses Schwangersein so richtig, wirklich über. Nicht nur, dass ich mit meinem Walfischbauch ständig an Türklinken, Arbeitsflächen oder Waschbecken hängen bleibe, ich bin so langsam auch die Ernährungsvorschriften wirklich über, die Einschränkungen beim Sport, die Kurzatmigkeit und das ständige Klogerenne.

Seit mehr als fünf Wochen habe ich auch schon mehr oder weniger starke, unregelmäßige Wehen. Vor vier Wochen hatte ich eine erste Phase mit halbwegs regelmäßigen Wehen. Senkwehen, meinte meine Frauenärztin. Und nach einem Tag waren sie weg. Seitdem hatte ich on-off immer mal wieder kürzere und längere Phasen mit vergleichsweise schmerzarmen Vorwehen oder Übungswehen oder weiß der Geier was, aber keine „richtigen“ Wehen. Das ging mir so sehr auf die Nerven, dass ich verschiedene Methoden recherchiert habe, die Wehentätigkeit zu stimulieren.  Ich trinke seit ein paar Tagen einen recht leckeren wehenfördernden Tee aus Eisenkraut, Ingwer, Zimt und Nelke. Ich versuche, mich regelmäßig zu bewegen, und hin und wieder habe ich auch probiert, die Oxytocin-Ausschüttung per Nippelstimulation anzukurbeln. Was deutlich weniger Spaß macht, als es zuerst vielleicht klingt.

Der Effekt bisher: Null. Gestern Abend aber ging es rund. Ich hatte im Schnitt alle 5 Minuten Kontraktionen, die rund 45-60 Sekunden anhielten. Sie taten nicht sehr weh, zogen mehr und pieksten, fühlten sich aber deutlich anders an als alle Wehen, die ich bis dahin gehabt hatte. Also probierte ich verschiedenes aus: Ich war aktiv, war spazieren und kreiste das Becken, die Wehen blieben. Ich ging ins Bett, die Wehen blieben. Ich duschte heiß, die Wehen blieben. Also fuhr ich nach 8 Stunden Wehentätigkeit ins Krankenhaus. Das CTG zeigte brav meine Wehentätigkeit an: Alle 4 Minuten hatte ich Kontraktionen. Dann kam die Minute der Wahrheit: Die Hebamme tastete die Öffnung des Muttermundes. Da ich am Tag davor gerade erst einen Termin zur Kontrolle bei meiner Frauenärztin gehabt hatte, wusste ich: Am Morgen war der noch zu und wulstig. Die Hebamme meinte: „Der ist fingerdurchlässig, aber da tut sich noch nicht viel, meine Liebe.“

Ich fuhr wieder nach Hause. Und da bin ich jetzt. Über Nacht haben die Wehen fast komplett aufgehört, und ich warte wieder.

Warte… Und warte. Weil ich das so gut kann.

Drückt ihr mir die Daumen, dass es bald losgeht?

Nicht so allgemein, bitte!

Gestern ist es wieder passiert. Eine Bekannte schaute auf meinen Bauch und meinte: „Da sieht man schon ein wenig was!“ Woraufhin ich mit einem schiefen Grinsen die Schultern zuckte. Ja, so richtig angefreundet habe ich mich immer noch nicht mit dem Kontrollverlust, den ich bei der Schwangerschaft empfinde. Was anderen leicht fällt, fällt mir schwer. Das ist meine persönliche Baustelle und für mich so ganz in Ordnung. „Aber das ist doch schön!“, rief die Bekannte auf meine eher mäßige Reaktion. Nicht „das finde ich schön“ oder „findest du das nicht schön?“, nein, „das ist doch schön!“

Und so etwas passiert leider häufiger. Als ich einer anderen Bekannten davon erzählte, dass ich mir Sorgen mache und auch vor einigen Dingen Angst habe, erntete ich ein: „Das geht schon noch weg!“ Eine andere Person reagierte in einer ähnlichen Situation mit der Aussage: „Ach, da wächst man rein!“

Na dann. Herzlichen Dank für diese Meinungen, die so schön generalisiert und verallgemeinert daherkommen. Und meine Ängste, Sorgen und grundsätzlich mein Empfinden entwerten. Natürlich habe ich nichts gegen aufmunternde Worte oder positive persönliche Erfahrungen. Ich habe aber ein Problem damit, wenn solche subjektiven Aussagen entpersonalisiert („man“) und generalisiert werden („das ist doch / wird noch“). Solche Aussagen helfen gar nicht. Genau das Gegenteil passiert, und ich fühle mich in meinem subjektiven Erleben nicht ernst genommen. Es ist, als würden meine subjektiven Gefühle außerhalb einer nicht näher definierten „ishaltso“-Norm liegen, und müssten damit nicht anerkannt werden.

Das lässt sich übrigens auch auf andere Lebensbereiche übertragen als auf Schwangerschaft. Ganz allgemein auf alle persönlichen Erlebnisse, Ängste, Sorgen, Beichten, …

Wie das besser ginge? Das ist gar nicht so schwierig. „Ich finde das schön!“, „Ich hoffe, dass das bald weggeht“ oder „Ich bin da reingewachsen, das wünsche ich dir auch.“

Bitte. War doch gar nicht so schwer.

„Isst du auch genug?“ Body Policing in der Schwangerschaft

[Content Note: Erwähnung von Essstörungen, Thematisierung von Körpergewicht.]

Selten wurden mir so viele ungefragte Ratschläge aufs Auge gedrückt wie seit Beginn meiner Schwangerschaft. Das beginnt im privaten Umfeld, setzt sich an meinem Arbeitsplatz fort und reicht – wie wäre es anders zu erwarten – bis in die Medien hinein.

Dazu gehört auch dieser unglückliche Artikel der Emma, die sich in den letzten Jahren ohnehin nicht eben mit Ruhm bekleckert hat und für viele Feministinnen inzwischen ein rotes Tuch ist.

In diesem Artikel, der gleich in der Einleitung einen ableistische Vergleich zieht, der alleine schon ausreicht, awaren Menschen die Galle hochsteigen zu lassen, versucht die Autorin krampfhaft, sich als Kämpferin gegen Fatshaming zu positionieren. Das ist sicher ein hehres Ziel, und gegen Fatshaming sollte ohnehin mehr getan werden. Leider fällt aber in der Darstellung der Emma einiges unter den Tisch: Zum Beispiel die Schwangeren, die es sich nicht ausgesucht haben, in der Schwangerschaft abzunehmen, etwa, weil sie unter Hyperemesis Gravidarum leiden oder plötzlich eine Vielzahl von Nahrungsmittelaversionen haben. Dazu zählen Schwangere, die von Essstörungen betroffen sind und für die jedes Kilo, das sie zunehmen, härter erkämpft ist, als man sich das gemeinhin vorstellen kann. Und das sind nur die häufigsten Ursachen, warum eine Person in der Schwangerschaft nicht ganz so viel zunimmt, wie sie es vielleicht auf dem Papier sollte.

Schwangere unter Generalverdacht

Dass die überwältigende Mehrheit der Schwangeren ihrem Kind Gutes will, sollte klar sein. Dass das für jede Person anders aussieht und dass es nicht für alle bedeuten kann, sich ganz entspannt in die Rolle der „glücklichen Schwangeren“ hineinzulegen (vielleicht auch, weil diese Rolle nicht so recht für sie gemacht ist), sollte verständlich sein. Es gibt Menschen, die hadern mit ihrer Schwangerschaft, und das, obwohl sie sie herbeigesehnt haben. Schwangerschaft bedeutet auch immer ein gewisses Maß an Risiko, an Kontrollverlust. Und wenn jemand für sich entscheidet, statt 16 nur 12 Kilo zuzunehmen – ist das dann fahrlässig? Oder freie Entscheidung? Die Entscheidungen prominenter Frauen werden in dem Artikel harsch kritisiert, und das, obgleich sie sicher nicht im luftleeren Raum oder allein aus Eitelkeit getroffen werden. Die Geflechte sind komplexer, als sie dargestellt werden, und jede Vereinfachung schadet.

Der Artikel ist in seinem Tenor klar: Wer nicht dazu in der Lage ist, sich dem Kontrollverlust hinzugeben, gefährdet potenziell sein Kind.

Deutlich weniger hetzend und zudem noch fundierter ist hier der Artikel von Lara Fritzsche (aus dem auch noch einige, sagen wir mal, nicht markierte Zitate entnommen sind). Lara Fritzsche thematisiert den gesellschaftlichen Druck klarer, unter dem einige Schwangere stehen, und der krankheitsauslösend für Pregorexie sein kann. Und obwohl auch ihr Artikel nicht frei von polemischen Überspitzungen ist, schafft sie es doch, den Bogen nicht zu überspannen und der Sachlichkeit genügend Raum zu geben.

Die Emma tut mir ihrem Artikel schwangeren Menschen keinen Gefallen. Als würde einer*einem in die eigene Schwangerschaft nicht schon genug hereingeredet, fügt sie dem Body Policing eine weitere Dimension hinzu, die es meiner Meinung nach nicht gebraucht hätte. Anstatt sachlich auf die Problematik, die gesellschaftlichen Umstände, die Sorgen und Ängste Betroffener aufmerksam zu machen, die Ursache von Essstörungen sind, verliert sie sich darin, diejenigen Menschen zu beschämen, die wahrscheinlich nicht einmal etwas dafür können, dass sie in der Schwangerschaft nicht „schnell genug“ zunehmen.

„Hallo, Mama!“

Als ich heute auf Arbeit ankam, wurde ich mit einem hämischen herzlichen „Hallo, Mama!“ von der Kollegin im Nachbarbüro begrüßt. Sie hatte, wie viele andere hier, gestern von meiner Schwangerschaft erfahren und glaubte nun, besonders lustig* sein zu müssen.

Die Öffentlichkeit einer Schwangerschaft

Ich finde das aus mehreren Gründen problematisch. Zunächst einmal ist das eine der Kolleginnen, mit denen ich fast gar nichts zu tun habe. Wir stehen uns in keiner Weise nahe, was einen pseudo-freundschaftlich-neckenden Tonfall schon einmal unpassend erscheinen lässt.

Zum anderen ist eine Schwangerschaft eine private Angelegenheit, über die niemand zu urteilen hat. Keine Chef*innen – aber eben auch keine Kolleg*innen. Denn mein Privatleben hat in meiner Arbeitswelt nichts verloren. Zwar bin ich tatsächlich gezwungen, meine Schwangerschaft an meiner Arbeitsstelle zu verkünden, weil sich hier privates und berufliches kurzzeitig berühren – ansonsten haben die lieben Kolleg*innen aber meine Privatsphäre zu achten.

Hätte ich statt „Ich bin schwanger“ „Ich bin lesbisch“ gesagt, hätte sie mich mit „Hallo, Lesbe!“ begrüßt?

Arbeits-Schimpfwort „Mama“

Ich habe schon ein Mal erlebt, wie „Mama“ als Schimpfwort an der Arbeitsstelle verwendet wurde. Meine damalige Chefin bewies ihr soziales Fingerspitzengefühl, indem sie ihren Mitarbeiter*innen „lustige“, sprich abwertende Spitznamen gab. Ich bekam netterweise „Nerdy“. Die aus der (recht kurzen) Elternzeit zurückkehrende Kollegin wollte sie allen Ernstes „Mama“ nennen. (Sie selbst war natürlich „Chef“.) Ein aufmerksamer Kollege mit einer großen Portion Sozialkompetenz verhinderte das, denn ich war zu entsetzt, um zu reagieren.

Die Reduktion einer Person auf ihre Rolle als Mutter, insbesondere am Arbeitsplatz, kommt einer Beleidigung gleich. Stereotyp-mütterliche Kompetenzen sind im Berufsleben nicht gefragt. Dass das fortwährende Reduzieren auf diese fest umschriebene, stereotype Rolle bereits jetzt anfängt, erschreckt mich.

Als freundliche Reaktion auf ihre freundliche Spitze zeigte ich der Kollegin freundlich meinen Mittelfinger.

*) Da Satire nicht nach unten, sondern nach oben tritt, sind lustige Abwertungen natürlich nicht lustig, auch, wenn sie lustig gemeint sind. Sie sind Abwertungen.

Von sexistischen Frauenärztinnen, die wegkönnen.

Ich habe gerade meine Frauenärztin gewechselt. Sie war der Ansicht, dass ich als Frau ja schon einmal „meine Mutterinstinkte“ üben könne, indem ich meinem Mann „eine ordentliche Hühnersuppe“ koche. Außerdem sei ich ja so schön schlank, da dürfe ich nicht so viel zunehmen in der Schwangerschaft, 15 kg wären da schon zu viel. (Die Sache mit der Gewichtszunahme läuft für mich unter präventivem Fatshaming und Entmündigung, zudem ist sie schlichtweg falsch.)

Ibuprofen während der Schwangerschaft ginge ja gar nicht, nein, auch nicht im 1. und 2. Trimester. Embryotox? Nein, sie verwendet lieber eine andere Datenbank mit weniger Daten. (Danach folgte eine Aufzählung schlimmster Missbildungen, die bei Ibuprofeneinnahme folgen können. Wohlweislich unterschlug sie, dass das für die Einnahme im 3. Trimester gilt.)

Sie überging übrigens auch die Info, wann genau ich Eisprung hatte (2 Tage später als sonst in meinem Zyklus zu erwarten) und wunderte sich lieber über den „etwas zu kleinen Fötus“.

Ja, und Kopfschmerzen? Die könne man ja „wegatmen“. Oder mit einem Waschlappen behandeln. Mir blieb das Lachen im Halse stecken. Sie hatte mich nicht einmal nach der Intensität meiner Kopfschmerzen gefragt.

Ja, wirklich, das hat sie alles gesagt.

Ich gehe jetzt zurück zu meiner alten Frauenärztin, die zwar deutlich weiter weg ist, die mich aber ernst nimmt. Und mir zuhört.

Potzblitz. Revolutionär.