Warum ich so gut wie keine Umstandskleidung habe

[Content Note: Body Talk]

Inzwischen bin ich im 5. Monat angekommen, oder in der 18. Woche. Und mein Bauch ist inzwischen … vorhanden. Er will sich nicht mehr so recht in meine engen Jeans drücken lassen.

Trotzdem trage ich im Alltag keine Umstandskleidung. Das hat einerseits mit meinem Verhältnis zu meiner Schwangerschaft und zu meinem Körper zu tun: Ich mochte meinen Körper in seinem unschwangeren Zustand gerne, und ich wusste eigentlich recht genau, wie ich mit ihm umgehen musste, was ich von ihm erwarten kann, und wie viel Power er so hatte. Das alles geht jetzt nicht mehr so ohne weiteres, denn inzwischen macht er alle möglichen Sachen, mit denen ich nicht rechne, die ich nicht so toll finde oder gegen die ich nichts tun kann.

Ich freue mich für jeden Menschen, di*er mit dem Zustand Schwangerschaft besser klar kommt als ich. Wirklich. Ich möchte auch gar nicht groß weiter rumheulen, also belasse ich es dabei: Ich habe mich in meinem Körper schon bedeutend wohler gefühlt! Und das ist ein wichtiger Grund für mich, warum ich keine Umstandskleidung trage. Umstandskleidung, das heißt heutzutage: Eng anliegende, stretchige Materialien, die in Schnitt und Farbe den Bauch betonen. Bei formellen Kleidern gibt es dann auch gerne mal ein Schleifchen auf den Bauch. Das war nicht immer so. Historisch gesehen wurde der Bauch eher versteckt. Erst vor wenigen Jahren begann sich das zu wandeln, und politische Entscheidungen wie die Stärkung des Mutterschutzes spielten dabei eine entscheidende Rolle.

Trotzdem: Ich finde meinen Bauch nicht niedlich und will kein Schleifchen darauf drapieren. Ich möchte ihn nicht wie eine Monstranz vor mir hertragen und überall auf den ersten Blick als schwanger identifiziert werden. Mir gefällt nicht, dass ich mich damit auseinandersetzen muss, dass fremde Menschen mich aufgrund meines Bauches anders wahrnehmen und bewerten. Zusätzlich kostet Umstandskleidung häufig mehr als normale Kleidung.

Toll finde ich da das Projekt Butchbaby & Co., eines aktuell entstehenden Modelabels, das betont „maskuline“ Kleidung für Schwangere entwirft, und die Tipps von offbeatfamilies für Umstandsmode für Butches. Denn auch, wenn ich keine Butch bin, empfinde ich ist eine einseitige Darstellung von „Femininität“ in Umstandskleidung als problematisch und einengend.

Also kaufe ich keine Umstandskleidung, wenn es sich vermeiden lässt. Statt dessen kaufe ich normale Kleidung, nur ein wenig größer. Ich meide dehnbare Materialien und weiche auf locker fallende Hemden oder Blusen aus, die sich ohne Probleme über meine Bauchbeule drapieren. Und ich freue mich auf den Sommer, zu dem ich meine weiten Hosen, Kleider und Röcke wieder aus dem Schrank kramen kann!

Manchmal, zu hohen Anlässen wie Hochzeiten, lässt sich Umstandsmode natürlich nicht wirklich vermeiden – ich möchte ja immer noch schick aussehen. Also wähle ich den Weg des geringsten Übels und suche nach Kleidung, die nicht ganz so sehr „seht alle her! Ich bin SCHWANGER!“ schreit wie die übrigen. Chiffon-Lagen oder feste Spitze helfen sehr!

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Der lange Weg ins 2. Trimester

Irgendwie dachte ich, dass der Unterschied zwischen 1. und 2. Trimester drastischer ausfallen würde. Deutlicher. Immerhin berichten alle möglichen Ratgeber davon, dass in Trimester 1 alles so und so ist, und im 2. Trimester dann plötzlich alles ganz anders. Aber natürlich – Pustekuchen. Ich weiß gar nicht, wieso ich immer wieder auf diese von Menschen gemachten Einteilungen hereinfalle. Halt, doch – ich weiß es doch. Alles sieht so schön einfach und ordentlich aus, so glatt und leicht zu verstehen. So, wie es eben gerade nicht ist.

Ich schlittere jetzt seit ein paar Wochen laaaangsam ins 2. Trimester hinein. Inzwischen ist mir seltener übel, ich schlafe weniger spät ein und häufiger durch. Inzwischen sieht, wer mich kennt, einen kleinen Bauch, und wenn ich entspannt daliege, kann ich den Uterus deutlich durch die Bauchdecke tasten. Ich schwanke zwischen „Ach, wie abgefahren, dass mein Körper sowas kann!“ und „Urgh, stahp! Ich hab dich nicht gebeten, dich so zu verhalten, y u do so, body?!“

Geduld, Geduld

Überhaupt ist dieses Schwangersein eine ziemliche Geduldsprobe für mich. Ich weiß ja nicht, wie andere Menschen das aushalten, aber ich habe diese 16 Wochen als ziemlich lang empfunden, in denen ich keinen Weichkäse essen durfte, keinen Rohmilchkäse, keine kalt geräucherte tierische Produkte, kein Sushi. Wer mich kennt, weiß, welches Ausbund an Geduld ich bin (und lacht an dieser Stelle laut wegen des offensichtlichen Sarkasmus‘). Ich habe aus lauter „Hier geht gar nichts voran, dammit!“ sogar schon an meiner Diss weitergeschrieben!

Aber es hilft ja alles nichts. Ich hab’s mir so ausgesucht, und jetzt muss ich da auch durch. Tschakkaaa!