Nur ein Walfisch unter vielen

Ich gebe zu, dass ich mir große Sorgen gemacht habe, was den Geburtsvorbereitungskurs anging. Ich hatte befürchtet, die einzige irgendwie feministische Person im Raum zu sein. Ich hatte gefürchtet, dass sich in dem gemischten Kurs die Männer unbotmäßig viele Redeanteile herausnehmen würden. Ich hatte mir Sorgen gemacht, dass ich zu Dingen gedrängt würde, die ich nicht will.

Was ich nicht erwartet habe, war, wie sehr ich mich inzwischen, nach zwei Wochen, auf den Kurs freue. Ich gebe zu, er ist mein aktuelles Wochenhighlight. Zwar haben sich einige meiner Befürchtungen erfüllt (an den Tagen, an denen mehr Männer dabei sind, produzieren sich einige tatsächlich traurigerweise recht ausdauernd und raumgreifend, statt sich entspannt zurückzulehnen und zuzuhören), aber längst nicht alle. Klar gibt es genügend Menschen im Kurs, die sich sehr auf stereotypen Rollen ausruhen, weil das für’s Hirn weniger anstrengend ist. Aber es ist nicht so schrecklich, wie ich befürchtet hatte. Der Altersschnitt ist relativ hoch, ich schätze, er liegt bei etwa 32-34 Jahren, und viele der Teilnehmenden sind zum ersten Mal schwanger. Und bisher hat die kursleitende Hebamme immer sehr darauf geachtet, Grenzen zu achten, sowohl körperlich als auch im Bereich von Einstellungen und Entscheidungen.

Was mir aber wirklich viel Halt und Kraft gibt gerade: Ich bin in diesem Kurs in meinem Zustand vor allem eins, und zwar ganz normal. Ich werde nicht mit Fragen bombardiert, wie es mir geht, wie das so ist, schwanger zu sein, wie weit ich bin, ob das normal ist, dass der Bauch manchmal wackelt. Ich werde nicht schief angeschaut, wenn ich komische Bewegungen mache, um meinen Rücken zu entlasten, und ich kann einfach nur rumsitzen mit einer Menge anderer Schwangerer, die gerade sehr ähnliche Erfahrungen machen, wie ich. (Versteht mich nicht falsch, ich erzähle ja gern davon, wie das so ist, dieses Schwangersein. Aber es bleibt ein Gefühl des Andersseins.)

Wirklich: Ich hätte nie gedacht, dass mir das so gut tut.

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