Der lange Weg ins 2. Trimester

Irgendwie dachte ich, dass der Unterschied zwischen 1. und 2. Trimester drastischer ausfallen würde. Deutlicher. Immerhin berichten alle möglichen Ratgeber davon, dass in Trimester 1 alles so und so ist, und im 2. Trimester dann plötzlich alles ganz anders. Aber natürlich – Pustekuchen. Ich weiß gar nicht, wieso ich immer wieder auf diese von Menschen gemachten Einteilungen hereinfalle. Halt, doch – ich weiß es doch. Alles sieht so schön einfach und ordentlich aus, so glatt und leicht zu verstehen. So, wie es eben gerade nicht ist.

Ich schlittere jetzt seit ein paar Wochen laaaangsam ins 2. Trimester hinein. Inzwischen ist mir seltener übel, ich schlafe weniger spät ein und häufiger durch. Inzwischen sieht, wer mich kennt, einen kleinen Bauch, und wenn ich entspannt daliege, kann ich den Uterus deutlich durch die Bauchdecke tasten. Ich schwanke zwischen „Ach, wie abgefahren, dass mein Körper sowas kann!“ und „Urgh, stahp! Ich hab dich nicht gebeten, dich so zu verhalten, y u do so, body?!“

Geduld, Geduld

Überhaupt ist dieses Schwangersein eine ziemliche Geduldsprobe für mich. Ich weiß ja nicht, wie andere Menschen das aushalten, aber ich habe diese 16 Wochen als ziemlich lang empfunden, in denen ich keinen Weichkäse essen durfte, keinen Rohmilchkäse, keine kalt geräucherte tierische Produkte, kein Sushi. Wer mich kennt, weiß, welches Ausbund an Geduld ich bin (und lacht an dieser Stelle laut wegen des offensichtlichen Sarkasmus‘). Ich habe aus lauter „Hier geht gar nichts voran, dammit!“ sogar schon an meiner Diss weitergeschrieben!

Aber es hilft ja alles nichts. Ich hab’s mir so ausgesucht, und jetzt muss ich da auch durch. Tschakkaaa!

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4 Gedanken zu “Der lange Weg ins 2. Trimester

  1. Min schreibt:

    Bin ich glücklich, diesen Blog gefunden zu haben! Deine Texte sprechen mir gerade aus der Seele. Bin 33, „gestandene“, materiell und geistig unabhängige, akademisch gebildete, toughe usw. Business Frau in einer gleichberechtigten Beziehung und hätte niemals gedacht, dass mich im Leben noch einmal etwas so aus der Bahn werfen könnte wie eine Schwangerschaft. Damit ihr direkt lachen könnt – ich bin nicht etwa kurz vor der Entbindung, sondern gerade am Ende der 11. Woche…
    Aber die letzten 5 Wochen waren für mich tatsächlich der Horror! Von einer lebensfrohen, selbst-bewussten und selbst-bestimmten Menschen habe ich mich von einem Tag auf den anderen in ein antriebsloses, kreatürliches Wesen verwandelt, dass sich für gar nichts mehr interessiert außer Schlafen. Mein normaler Tages- bzw. Wochenablauf existiert nicht mehr, da mir dauerhaft so übel ist, als wenn ich früher an Karneval 3 Tage durchgefeiert habe…
    Aber: ich habe ja als moderne Frau gelernt, mich schnell selbst aus negativen Zuständen rauszuholen. Also habe ich es genau wie du gemacht: erst einmal Informationen sammeln, denn wenn ich das Thema erst einmal rational durchdrungen habe, ist es sicher nicht mehr so bedrohlich! Dabei musste ich direkt feststellen, dass ich bei allem sonstigen überdurchschnittlichen Allgemeinwissen so gut wie nichts über den weiblichen Zyklus weiß. Wie auch? Habe 15 Jahre die Pille genommen und konnte alles in der Richtung komplett ausblenden… Das wissenschaftliche Studium habe ich dann aber auch schnell wieder beendet – Texte, die von Wörtern wie Ausfluss, Schleimpropfen und Dottersack nur so wimmen, tragen bei mir nicht gerade zu einer besseren Stimmung bei…
    Da halte ich mich auch lieber an die Statistiken, die man im Internet bis zur Unendlichkeit googeln kann 🙂 Was mir außerdem gerade hilft: feministische Literatur. Wie haben Frauen es früher in einem quasi dauerschwangeren Zustand ausgehalten?! Und wie kann überhaupt ein männliches Wesen irgendein kleines Recht auf ein Kind beanspruchen, wenn eine Frau sich dafür 9 Monate alleine so gequält hat?!
    Außerdem: Biographien/Romane von außergewöhnlichen Frauen, die trotz Mutterschaft noch ein aufregendes Leben hatten (z.B. Marie Curie, Pola Negri, Zelda Fitzgerald….). Die meisten von ihnen sind zwar zum Ende ihres Lebens verrückt geworden, aber es geht ja um Impulse 🙂 Und die brauche ich gerade dringend, denn ich habe gerade das Gefühl dafür verloren, wer ich bin und vor allem, wer ich zukünftig sein werde. Dazu kommt die ständige Schauspielerei: bislang weiß bis auf wenige enge Freunde noch niemand Bescheid, d.h. nach außen hin tue ich so, als ob alles wäre wie immer! Muss man da nicht schizophren werden? Auf der Arbeit möchte ich es sowieso so spät wie möglich sagen – in der männerdominierten Führungskräfteriege kann ich mir dann noch lange genug blöde Sprüche anhören.
    Was hat euch in solchen Phasen geholfen?

    • TQ schreibt:

      Hallo Min,
      erstmal danke für den lieben Kommentar! Dieses Blog anzufangen war mir ein Bedürfnis, weil es so wenige queer-feministische Stimmen gibt, die darüber berichten. Und ich glaube, je mehr es werden, desto transparenter und auffindbarer werden die Sorgen, Probleme und Bedürfnisse der Schwangeren auch wahrgenommen.
      Zu der Schauspielerei: Ich habe das auch eine Weile gemacht. Ich fand es auch ziemlich schwierig und habe nach der 12. Woche fast allen, die mit mir im Kontakt sind, Bescheid gesagt – ich muss mit Neuigkeiten immer schnell raus, sonst platze ich. Einige Menschen haben mich dann mit ihrem Verhalten doch sehr überrascht, und zwar, weil ihre Reaktion so positiv ausfiel. Das hat mich irritiert, aber auch gefreut. 🙂
      Ansonsten habe ich schon sehr früh Kontakt zum Betriebsrat aufgenommen. Es war für mich ein gutes Gefühl, zu wissen, wenn es hart auf hart kommt, stehe ich nicht alleine da – und habe auch das Recht im Rücken. Mich hat das sehr beruhigt, so dass ich den dummen Kommentaren, die trotzdem kamen und noch kommen, deutlich gelassener gegenüberstehen konnte.

      Ich habe mich grad ein bisschen an dem Begriff „schizophren“ in diesem Zusammenhang gestoßen, und ich würde gern auch erklären, warum. Es geht ja nicht um die psychische Erkrankung, soweit ich dich verstanden habe – und ableistische Vergleiche versuche ich in letzter Zeit sehr zu vermeiden. Mir ist es für meine feministische Praxis wichtig, niemanden auf andere Weise zu diskriminieren.
      Bis ich das gecheckt hab, war es aber auch ein langer Weg, und ich mache immer noch jede Menge Fehler, diskriminiere versehentlich… Vielleicht denkst du ja drüber nach.

      Viele Grüße!

  2. Min schreibt:

    Hallo TQ,

    oh das stimmt, danke für den Hinweis. Der Begriff war überhaupt nicht diskriminierend gemeint – ich fühle mich im Moment wirklich oft schizophren – verstehe aber, dass er anders wirken kann.

    Unser Unternehmen hat leider keinen Betriebsrat. Offiziell ist es auch sehr frauenfreundlich, bietet Teilzeit und alles mögliche an, aber ab einer bestimmten Ebene bzw. wenn man mitbekommt, was hinter den Kulissen läuft, wird es für Frauen leider immer schwieriger, in den extrem männerdominierten Zirkeln zu bestehen.

    Habe heute Abend wieder einen Kontrolltermin beim Arzt – wenn alles ok ist, werde ich mein privates Umfeld auch informieren. Bin sehr gespannt auf die Reaktionen, deine Erzählung macht mir auf jeden Fall Mut 🙂

    • TQ schreibt:

      Nochmal guten Morgen!
      Naja, es ist schon klar, dass der Begriff nicht diskriminierend gemeint war. Das wollte ich auf auf keinen Fall unterstellen.
      Es ist ja ähnlich wie mit sexistischen Witzen, die Leute, die sie erzählen, sind sich oft nicht im Klaren darüber, dass sie auch dann Sexismus befördern und verstärken, wenn sie es nicht so meinen… Es freut mich, dass du den Punkt prinzipiell siehst. 🙂

      Uh, in die oberen Etagen eines Unternehmens bin ich bisher leider nicht vorgedrungen. Ich arbeite in Wissenschaft und Forschung, und da gibt es „oben“ nicht allzu viele Stellen. Ich kann mir aber lebhaft vorstellen, wie es die ungeschriebenen Gesetze Frauen schwerer machen, als es sein müsste.
      Schade, dass ihr keinen BR habt. Ich habe die vermittelnde Position immer als hilfreich für alle Seiten empfunden, nicht zuletzt, weil oft nur der BR über die genauen Regeln und Gesetze Bescheid wusste… *seufz* Ich drücke dir trotzdem feste die Daumen für die anstehenden Gespräche – und natürlich für deinen Arzttermin!

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