Von sexistischen Frauenärztinnen, die wegkönnen.

Ich habe gerade meine Frauenärztin gewechselt. Sie war der Ansicht, dass ich als Frau ja schon einmal „meine Mutterinstinkte“ üben könne, indem ich meinem Mann „eine ordentliche Hühnersuppe“ koche. Außerdem sei ich ja so schön schlank, da dürfe ich nicht so viel zunehmen in der Schwangerschaft, 15 kg wären da schon zu viel. (Die Sache mit der Gewichtszunahme läuft für mich unter präventivem Fatshaming und Entmündigung, zudem ist sie schlichtweg falsch.)

Ibuprofen während der Schwangerschaft ginge ja gar nicht, nein, auch nicht im 1. und 2. Trimester. Embryotox? Nein, sie verwendet lieber eine andere Datenbank mit weniger Daten. (Danach folgte eine Aufzählung schlimmster Missbildungen, die bei Ibuprofeneinnahme folgen können. Wohlweislich unterschlug sie, dass das für die Einnahme im 3. Trimester gilt.)

Sie überging übrigens auch die Info, wann genau ich Eisprung hatte (2 Tage später als sonst in meinem Zyklus zu erwarten) und wunderte sich lieber über den „etwas zu kleinen Fötus“.

Ja, und Kopfschmerzen? Die könne man ja „wegatmen“. Oder mit einem Waschlappen behandeln. Mir blieb das Lachen im Halse stecken. Sie hatte mich nicht einmal nach der Intensität meiner Kopfschmerzen gefragt.

Ja, wirklich, das hat sie alles gesagt.

Ich gehe jetzt zurück zu meiner alten Frauenärztin, die zwar deutlich weiter weg ist, die mich aber ernst nimmt. Und mir zuhört.

Potzblitz. Revolutionär.

Advertisements

12 Gedanken zu “Von sexistischen Frauenärztinnen, die wegkönnen.

  1. herrpfarrfrau schreibt:

    Wow, diese Ärztin hat quasi alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Und Embryotox zu ignorieren ist auch eine Meisterleistung. Puh! Dann wirklich lieber den längeren Weg auf sich nehmen.

    Und: Glückwunsch zur Schwangerschaft!

  2. Mela schreibt:

    Manchmal habe ich den Eindruck, Frauenärztinnen benehmen sich noch rabiater als Frauenärzte. Nach dem Motto: Ich bin eine Frau und was mir nicht weh tut, tut auch anderen nicht weh und was sie mir erzählen wollen, weiß ich eh schon alles aus eigener Erfahrung. Brauch ich nicht zuzuhören.

    Die (zu seltenen) Ausnahmen von der Regel sind Gold wert.

    Viele Grüße,
    Mela
    (deren letzte Frauenärztin auch mal wieder ein Griff ins Klo war …)

    • TQ schreibt:

      Ich bin bisher nie Patientin eines Frauenarztes gewesen. Ich hatte nur eine unglückliche Begegnung in der Notaufnahme des Krankenhauses, wo der diensthabende Gynäkologe recht erbarmungslos mit einer Ultraschallsonde in meinem entzündeten Unterleib herumfuhrwerkte. Ich glaube ja, dass man bei jedem Geschlecht (auch außerhalb von vermeintlichen Geschlechterbinaritäten) an die falsche Person geraten kann…
      Danke für deinen Kommentar! 🙂

      • Mela schreibt:

        Bei mir waren es zwei Frauenärzte und drei Frauenärztinnen. Die beiden Ärzte waren in Ordnung (sprich: aufmerksam, mit eigenen Urteilen zurückhaltend und bei der Untersuchung nicht grob) aber ich war nicht länger dort, weil ich generell dann doch Intimes lieber mit einer Frau bespreche.

        Von drei Ärztinnen waren zwei Ausfälle. Eine ein Totalausfall und ziemlich gut mit deiner Beschreibung vergleichbar, eine auf halbem Weg dorthin (nicht zuhören, erst mal kräftig Fatshaming, kein Versuch erst mal eine Vertrauensbasis aufzubauen …) .
        Dann noch die Berichte von Freundinnen, die sich über grobe, übergriffige Frauenärztinnen beklagten, aber eben auch lieber nicht zu einem Mann wollten.

        Nur eine war äusserste Spitzenklasse. Zu ihr bin ich ohne Bedenken, dass sie blöd reagieren könnte, mit einer frisch vergewaltigten Mitbewohnerin gegangen. Soviel Vertrauen muß ich zu einer Frauenärztin einfach haben können.

      • TQ schreibt:

        Ich wünsche mir zu sowas repräsentative Studien – bei Einzelfällen hängt immer so viel von Faktoren ab wie Wohngegend, Privat oder Kasse, Zufall… 🙂

      • Mela schreibt:

        Hehe. Berlin, München, Karlsruhe. Wohngegend schon mal nicht. Aber Zufall, klar. Wenn man zwei Stunden durch die Gegend telefonieren muß, um überhaupt eine Ärztin zu finden, die neue Patienten annimmt, dann ist die mit freien Slots sicherlich nicht die Beliebteste der Stadt.

      • Mela schreibt:

        Naja, früher *Gebiß rausnehm* war alles besser und man bekam noch Termine mit nur einer Woche Vorlauf.

  3. FemMum schreibt:

    … Und dann gibt’s da noch die Frauenärzte/innen in Praxen und Kliniken, die einen schwangeren Bauch niemals anfassen, ohne jegliche Untersuchung munter Dinge in den Mutterpass eintragen (frau ist wohl selbst schuld, wenn sie kein superduper Ultraschall-Babykino bucht) und sich lieber auf Richtlinien als auf die Gesundheit von Mutter und Kind verlassen (wird relevant, wenn das Kind sich nicht exakt an den errechneten Termin hält). Und wenn dann eine tolle in Erscheinung tritt, ist der Weg oft so weit, dass es für die Vielzahl an Terminen echt beschwerlich ist *hmpf*

    Meine bisherige Erfahrung lehrt mich folgendes: Ich nehme durch Querlesen ohne viel Zeitaufwand die groben Informationen aus den verfügbaren Quellen, ziehe bei Gyn-Gerede eine gute Portion Gerätemedizin und bei Hebammenaussagen eine gute Portion Esoterik ab (empfehlenswert: Gyn mit Hebamme in der Praxis), bewerte mithilfe meines gesunden Menschenverstands und unter Berücksichtigung meines individuellen Wohlfühlfaktors. Und in positiven Momenten schaffe ich es, das alles nicht als Nervkram, sondern als gute Übung für meine Rolle als selbstbestimmte Patientin zu sehen. Letzteres wünsche ich dir auch.

    • TQ schreibt:

      Ja, ich bin da denke ich recht nah an deiner Einstellung. Ich empfand den Umgang meiner Frauenärztin mit mir insgesamt als sehr entmündigend. Ihr ging es über weite Strecken darum, mir zu beweisen, dass ich im Unrecht sei (z.B. Ibuprofeneinnahme), um am längeren Hebel zu bleiben. Da ich mich selbst aber durchaus als selbstbestimmte Patientin sehe (danke für den Begriff!), ging das für mich wirklich gar nicht. Ich konnte zuerst den Finger gar nicht drauflegen, was genau mich an den Frauenarztbesuchen so belastete, aber irgendwann klingelte es dann doch.
      Ich habe mit meiner auserwählten Hebamme bisher nur telefoniert, und da schien sie mir recht kompetent. Gegen ein bisschen Esoterik habe ich nichts, solange sie mir nicht ein X für ein U weismachen will und z.B. vom Impfen abrät… Ich fürchte aber, dass unter den Hebammen recht viele Impfgegner*innen sind, so aus der „Gegenrolle“ zu den Frauenärzt*innen heraus eventuell. Ich hoffe sehr, dass ich mich irre.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s